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Sinn und Unsinn - Lese-Tipp zurück

Herbert Rosendorfer: „Briefe in die chinesische Vergangenheit“
(dtv-Verlag, DM 14,90. ISBN 3-423-10541-0)

Geschichte: Ein chinesischer Mandarin aus dem 10. Jahrhundert gelangt mittels einer Zeitmaschine in das heutige München („Min-chen“), wo er mit der vollkommen anderen Kultur und Technik unserer Zeit konfrontiert wird.

Warum es mir gefiel: Das Buch verfügt über unglaublichen Wortwitz. Kao-tai, der Held der Geschichte, erzählt in den Briefen an seinen in der Vergangenheit verbliebenen Freund Dji-gu in deutsch/chinesischen, teils zum Brüllen komischen Metaphern von seinen Abenteuern mit den „Ba Yan“.

Leseprobe: 
„Ich fühle mich in dieser Wohnung schon einigermaßen heimisch, vor allem deswegen, weil ich hier meine gewohnten Kleider trage, während ich draußen in einer dieser scheußlichen grauen Schlauch-Häute herumlaufen muß, die sie An-tsu nennen. Diese qualvolle An-tsu-Kleidung besteht aus einer komplizierten Vielfalt von Einzelteilen. Einige weiße Schläuche trägt man darunter, zwei schwarze Schläuche an den Füßen, dann kommt eine graue Hose, dann eine dünne Jacke mit unzähligen Knöpfen. Diese Dünn-Jacke (sie heißt - ich habe das aber möglicherweise nicht richtig verstanden - „Hem-Hem“) stopft man in die Hose hinein. Der an sich schon unbequeme Kragen dieser dünnen Hem-Hem-Jacke wird noch dadurch eingeengt, dass ein Streifen Stoffes, dessen Funktion nicht ohne weiteres klar ist, darum gebunden wird. Der Stoff-Streifen muß auf eine bestimmte Weise vorn herunterhängen. Viele Männer tragen solche Stoff-Streifen, ja ich muß gestehen: nur an so einem Stoff-Streifen erkenne ich - vorerst - , dass es sich um einen Mann handelt, denn Weiber tragen solche Stoff-Streifen nicht. [...]

Aber ich bin mit meiner Beschreibung der Kleidung, des An-tsu, noch nicht am Ende. Über Hose, Dünn-Jacke und Rangstreifen zieht man eine dickere Jacke an. Die Füße steckt man in kleine, verschnürte Kästchen aus entsetzlich hartem Leder, in denen man kaum gehen kann. [...] In noch größerer Zahl aber, in geradezu lächerlicher Menge befinden sich Knöpfe am An-tsu. Eine Reihe kleiner Knöpfe befindet sich direkt am Geschlechtsteil. Ich nehme deshalb an, dass es sich bei all dem Aberglauben hier um einen Fruchtbarkeitszauber handelt.“

 

 
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